Maschinen-Menschen am Fließband

Erschienen am 25.01.2018 in KStA, Berliner Zeitung, FR und Mitteldeutsche Zeitung

In der industriellen Produktion herrschen in vielen Abteilungen Maschinen schon alleine: Der Karosseriebau bei Autoherstellern zum Beispiel wird zu mehr als 95 Prozent von Maschinen und Robotern erledigt. Noch aber geht es nicht ganz ohne Menschen – auch wenn ihre Körper für die hohe Taktung am Band nicht unbedingt geschaffen sind. Rückenprobleme sind häufig, Ausfälle programmiert. Deswegen arbeiten Autobauer jetzt allesamt an einem neuen Projekt: Ihre Arbeiter sollen mit Maschinenteilen verschmelzen.

 

Exoskelette heißt der Trend, auf den viele Firmen hoffen. Die Arbeiter „ziehen“ die Maschine an – Beinschienen werden befestigt, ein Gürtel an der Hüfte geschlossen, je nach Modell Stützelemente am Rücken, dem Nacken und den Schultern angebracht. Am Ende sieht der Mensch aus wie ein technisch hochgerüsteter Superheld – Ironman am Fließband.

 

Ford testet in seinem Vorreiterwerk in Valencia zurzeit zehn verschiedene Exoskelettmodelle, Audi hat zwei passive Systeme zu Tests bereits nach Deutschland gebracht, auch Mercedes ist in der Pilotphase. Die zurzeit eingesetzten passiven Systeme gehen den ersten Schritt und sollen den Arbeiter entlasten: Beim Heben vom Boden wird ein Teil des Gewichts über die Streben an Rücken und Beinen abgeleitet, beim Schrauben über Kopf sollen die Schienen die Arme in der unnatürlichen Position stützen.

 

Die aktiven Exoskelette, die sich oftmals noch in der Entwicklung befinden, sind zusätzlich mit Sensoren versehen, die einem Bordcomputer Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung des Trägers melden. Motoren an den Knien, Schultern und wahlweise Armen sollen die Muskeln dann bei der Anstrengung unterstützen. So wird es auch möglich, die Muskelstärke künstlich zu erhöhen – unermüdliche Arbeiter mit der Gabe menschlicher Planung und maschinellen Superkräften könnten so entstehen und Träume aus Science-Fiction- und Action-Filmen wahr werden.

 

Noch aber testen Autobauer nur die passiven – also die rein mechanischen, nicht motorisierten – Varianten. Ford setzt im Pilotprojekt in Spanien den Fokus auf Exoskelette, die Schultern und Rücken entlasten sollen. Dabei teste man keine Modelle „von der Stange“, sagt ein Ford-Sprecher, sondern habe Interesse daran, die für gut befundenen Modelle mit den Zulieferern nach den eigenen Anforderungen selbst weiterzuentwickeln. Eine Universität soll die Langzeitfolgen untersuchen.

 

Bewährt sich ein Modell, soll es auch im Kölner Werk bei der Fiesta-Produktion zum Einsatz kommen. Zum Beispiel bei den Arbeitern in der Montage, die sich zwölfmal pro Minute nach oben recken müssen, um den Benzintank festzuschrauben – damit alle 68 Sekunden ein fertiges Fahrzeug vom Band rollt. Mehr will Ford sich noch nicht entlocken lassen: „Aus Wettbewerbsgründen können wir noch nicht zu sehr ins Detail gehen.“

 

Audi hat bereits zwei passive Exoskelette in seinen deutschen Produktionsstätten getestet. Die erste Version heißt „Chairless Chair“, produziert vom Schweizer Start-up „Noonee“. Wie ein zweites Paar Beine stützt das 2,4 Kilo schwere Exoskelett Angestellte während der Arbeit und macht es möglich zu sitzen, ganz ohne Stuhl. Befestigt wird es an den Rückseiten der Beine, Auflagen stützen Gesäß und Oberschenkel, Gelenke in Kniehöhe ermöglichen verschiedene Sitzpositionen.

 

Die Pilotphase für den stuhllosen Stuhl liegt schon zwei Jahre zurück, sagt Ralph Hensel-Unger, Leiter des Projekts bei Audi. Der Prototyp sei seitdem auf Grundlage von Kritik der Mitarbeiter weiterentwickelt worden. Denn Testträger meldeten zwar eine Entlastung, aber auch fehlenden Tragekomfort: Vor allem im Brustbereich klemmte es beim schnellen Heben. Auch die Textilien von Gürtel und Weste wurden verändert, die Befestigung an den Füßen wurde überarbeitet, um besser damit gehen zu können, und das Gewicht des Gerüsts generell weiter reduziert.

 

Jetzt sei es fast so weit: „Perspektivisch ist ein Serieneinsatz des ‚Chairless Chair‘ noch in der ersten Jahreshälfte denkbar“, so Hensel-Unger. In einer arbeitsmedizinischen Studie würden die langfristigen Auswirkungen auf die Mitarbeiter untersucht.

 

Das sei auch dringend notwendig, sagt Kerstin Klein von IG Metall. Bisher gebe es noch gar keine Erfahrungen mit den Exoskeletten, keine gesundheitlichen Studien und keine Klarheit darüber, ob die Systeme nicht vielleicht auch den nachteiligen Effekt hätten, dass sich Muskeln zurückbilden.

 

Eigentlich stammt die Idee des Exoskeletts, wie so viele Ideen auf dem Gebiet der Mensch-Maschinen-Kooperation, aus der Medizin. Dort sollen die mechanischen Schienen Reha-Patienten helfen, wieder laufen zu lernen. Neben der Industrie und der Baubranche hat aber auch das Militär, dessen Mitglieder oft schwere Gewichte über lange Strecken und unwegsames Gelände transportieren müssen, ein großes Interesse daran – ein motorisiertes Modell der Firma Lockheed Martin wird bereits in der US-Army getestet.

 

In der industriellen Produktion herrschen in vielen Abteilungen Maschinen schon alleine. Noch aber geht es nicht ganz ohne den Mensch – auch wenn ihre Körper für die hohe Taktung am Band nicht unbedingt geschaffen sind. Rückenprobleme sind häufig, Ausfälle programmiert. Deswegen arbeiten Autobauer jetzt allesamt an einem neuen Projekt: Ihre Arbeiter sollen mit Maschinen-Teilen verschmelzen.

Exoskelette heißt der Trend, auf den viele Firmen hoffen. Die Arbeiter ziehen die Maschine an – Beinschienen werden befestigt, ein Gürtel an der Hüfte geschlossen, je nach Modell Stützelemente am Rücken, dem Nacken und den Schultern angebracht. Am Ende sieht der Mensch aus wie ein technisch hochgerüsteter Superheld – Iron Man am Fließband.

– Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/29558388 ©2018

In der industriellen Produktion herrschen in vielen Abteilungen Maschinen schon alleine. Noch aber geht es nicht ganz ohne den Mensch – auch wenn ihre Körper für die hohe Taktung am Band nicht unbedingt geschaffen sind. Rückenprobleme sind häufig, Ausfälle programmiert. Deswegen arbeiten Autobauer jetzt allesamt an einem neuen Projekt: Ihre Arbeiter sollen mit Maschinen-Teilen verschmelzen.

Exoskelette heißt der Trend, auf den viele Firmen hoffen. Die Arbeiter ziehen die Maschine an – Beinschienen werden befestigt, ein Gürtel an der Hüfte geschlossen, je nach Modell Stützelemente am Rücken, dem Nacken und den Schultern angebracht. Am Ende sieht der Mensch aus wie ein technisch hochgerüsteter Superheld – Iron Man am Fließband.

Ford testet in seinem Vorreiter-Werk in Valencia zurzeit zehn verschiedene Exoskelett-Modelle, Audi hat zwei passive Systeme zu Tests bereits nach Deutschland gebracht, auch Mercedes ist in der Pilotphase.

– Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/29558388 ©2018